Alle Wege führen nach Marija Bistrica
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MARIJA BISTRICA
Wenn man Marija Bistrica erwähnt, denkt jeder gleich an die Wallfahrten zur wundertätigen Muttergottes von Bistrica. Marija Bistrica besuchen jährlich rund 800 000 Pilger. Sie alle kommen wegen der geistigen Erholung, oder mit der Absicht, ein Gelöbnis bei der Muttergottes abzulegen, sich bei ihr für die erhörten Gebete zu bedanken oder nur der Königin der Kroaten zu huldigen. Das Heiligtum der Muttergottes von Bistrica nimmt seit Jahrhunderten einen zentralen Platz im religiösen Leben des kroatischen Volkes ein.
Der Ort selbst - Bistrica – wird zum ersten Mal 1209 als feudaler Besitz der Gespannschaft Vratislav erwähnt, der ihn vom kroatisch-ungarischen König Andrija II wiederbekommen hat. Der Name Marija Bistrica selbst erschien erst im 18. Jh., was mit der Wiederentdeckung der wundertätigen Statue der Muttergottes verbunden ist. Die Pfarrkirche, die bis dahin den Heiligen. Petrus und Paulus geweiht war, wurde noch im selben Jahrhundert der Heiligen Jungfrau Marija eingeweiht.
Die Statue Muttergottes mit dem Jesukind befand sich ursprünglich in der Marienkapelle von Vinski Vrh, unweit von Marija Bistrica. Als die Türken bis Konjščina (3 km von Vinski Vrh) vorgedrungen waren, hat der damalige Pfarrer Bistricas die Marienstatue in die Pfarrkirche unter dem Chor versteckt, um sie vor der Zerstörung zu retten. Die Statue wurde 1684 wiedergefunden, und am 15. Juli, auf Anregung des Zagreber Bischofs Martin Borković auf den Hauptaltar zwischen den Statuen vom Hl. Petrus und Paulus gestellt. Seitdem dauern Wallfahrten nach Marija Bistrica fort und es wurden unzählige wundersame Ereignisse verzeichnet, die erst nach gründlichen Nachforschungen und Bestätigungen von zuverlässigen Zeugen anerkannt werden.
Der Kroatische Sabor (Landtag) liess 1715 einen Votivaltar errichten. 1731 wurde die Kirche erweitert und vom Bischof Branjug eingeweiht, wobei der Name des Ortes in Marija Bistrica umgewandelt wurde. Der Kirchenkomplex erreicht sein endgültiges Aussehen im Jahr 1883, als ein Renovierungsprojekt nach Entwürfen des Architekten Hermann Bolle durchgeführt wurde, an deren Realisierung einige der renommiertesten kroatischen Künstler gearbeitet haben. Im Jahr 1923 hat der Papst Pius XI dem Heiligtum den Titel einer Basilika minor erteilt. Die Erzbischöfe Bauer und Stepinac haben der Kirche, im Namen des kroatischen Volkes, zwei goldene Kronen geschenkt und die Statuen gekrönt. Wegen ihrer religiösen und nationalen Bedeutung hat die Bischofskonferenz 1971 den Wallfahrtsort Marija Bistrica zum nationalen Heiligtum der Kroaten erklärt, und seitdem wird der 13. Juli als Festtag der Muttergottes von Bistrica gefeiert.
Am 9. September 1984 fand eine prachtvolle Feier - zum 300. Jubiläum des Heiligtums (der Wiederentdeckung der wundertätigen Muttergottes Statue) statt, sowie zu dreizehn Jahrhunderten kroatischen Christentums.400 000 Gläubigen versammelten sich in Marija Bistrica zum Nationalen Eucharistiekongress.
In der Feudalzeit hatte der Feudalgrundbesitz Bistrica mehrere Eigentümer, und die bekanntesten waren: Banus von Slawonien-Dionisius, Nikola von Ludbreg, Banus Ivan Čus, Brüder Bradač, Ivan Horvat, Mihael Konjski, die Familie Kerečenji, Juraj von Malenić, Graf Petar Keglević, Graf Baltazar Patačić, die Grafenfamilie Drašković, Graf Petar Sermage und Baron Lazar Hellenbach. Nach der Abschaffung von Feudalherrschaft 1848 wurde Marija Bistrica ein Bezirk im Rahmen der Pfarrei von Zelina.
DAS SCHLOSS HELLENBACH
Das Schloss Hellenbach liegt, hinter einer Parkanlage versteckt, in der Nähe von Marija Bistrica, auf dem Weg zu Zlatar Bistrica und es ist das Heim der Familie Hellenbach. Es ist ein der wenigen Schlösser in Hrvatsko Zagorje und Kroatien, in dem das Kontinuität des Lebens und Inneneinrichtung genauso erhalten blieben, als sie im vorigen Jahrhundert waren.
Das Schloss ist erdgeschossig und weist auf die klassizistische Stilelemente auf, mit einem Portikus an der westlichen Hauptfassade. Mit seinem schlichten, klassizistischen Entwurf der Fassade und der Organisation des Grundrisses zählt dieses Schloss zu der schönsten und am wertvollsten Schlössern in Kroatien. Das beweist auch seine Zugehörigkeit zur höchsten Denkmalkategorie (I/O).
Die ersten Belege für die Existenz einer Schule in Marija Bistrica finden sich in den kirchlichen Dokumenten vom Jahr 1590. Bis zum Jahr 1862 fand der Schulunterricht in den Privathäusern statt; bis auf Anregung des Pfarrers, Mirko Tumpić, und der damaligen Gemeindekommissäre die Mittel für die Errichtung einer Schule beschafft worden waren.
Mit der Entwicklung des Bildungswesens entwickelte sich auch die Musikkunst, was zum grössten Teil Verdienst des Lehrers Lovro Ježek war. Ježek hat 1852 eine Musikgesellschaft gegründet, die bis heute noch aktiv ist – ihre Arbeit war nur während der Kriegszeiten gestoppt. Zu seiner Ehre trägt die Musikgesellschaft in Marija Bistrica seinen Namen.
Die Kirche Bistricas und das Pfarrhaus waren seit ihrem Entstehen ein Versammlungsort von kroatischen Patrioten und Intellektuellen, die Vertretern von “Ilirski preporod” (Illyrische Bewegung) waren, ausserdem endschied das Pfarrhaus über die Gründung von “Matica Ilirska”, später “Matica Hrvatska” (Kulturverband zur Förderung der kroatischen Sprache und Kultur). In Marija Bistrica hat Vatroslav Lisinski die erste kroatische Oper “Ljubav i zloba” (“Liebe und Bosheit”) komponiert. Hier ist auch ein bekanntes kroatisches “Heimatlied” “Prosto zrakom ptica leti” entstanden.
Gegenueber der Kirche-Basilika befindet sich ein Berg “Kalvarija” mit den Stationen des Kreuzwegs. Jede Station stellt ein selbständiges Kunstwerk bekannter kroatischer Bildhauer dar. Die Andacht des Kreuzwegs beim hellen Schein vieler Kerzen ist ein unvergessliches Erlebnis für jeden Besucher.
Hinter dem Berg “Kalvarija”, in einer “Oase der Stille” befindet sich das Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen. Anlässlich des 900. Jahrestages des Zagreber Erzbistums segnete der Papst am 11. September 1994 in Zagreb den Grundstein des Klosters. Die Grundsteinlegung selbst fand am 11. September 1995 durch Kardinal Franjo Kuharić statt.
Die Idee der Errichtung des Karmelitinnen-Klosters stammt vom Seligen Alojzije Stepinac, aus dem Jahr 1941. Die Unbeschuhten Karmelitinnen bewohnten das Kloster, seit dem 3. Oktober 1998, dem Tag der Seligsprechung von Kardinal Stepinac durch Papst Johannes Paul II.
Dieser Tag, der 3. Oktober, ist, nach der Wiederfindung der Statue Muttergottes im Jahre1684, der bedeutendste und feierlichste in der Geschichte von Marija Bistrica. Am Anfang der heiligen Messe sagte der Heilige Vater:
“Heute bin ich hierhergekommen, um euch in diesem lieben Heiligtum unserer himmlischen Muttergottes von Bistrica zu besuchen. Ihr und euere Vorfahren habt vor ihrer schwarzen Gestalt so viele Gebete an Gott gerichtet. Ich bin heute hierhergekommen, um mit euch durch unsere gemeinsamen Opfer dem lieben Gott dankzusagen und den Dienstboten Gottes, Alojzije Stepinac seligzusprechen. Wir beten den Herrn, unsere Sünden zu vergeben, so dass wir reinen Herzens Zeugen der Frohen Botschaft sein können; wir bitten Ihn, dass Er in Seiner Barmherzigkeit unseren Glauben und unser Vertrauen in Ihn unterstützt, so dass wir Ihm frohen Herzens dienen können”.
Marija Bistrica hat eine spezielle ökonomische Entwicklung erfahren, die durch die Kirche und die Auffindung der Muttergottes Statue mit dem Jesukinde bedingt ist; durch den sogenannten Wallfahrtstourismus. Die organisierten Wallfahrten beginnen jedes Jahr am Weissen Sonntag (erster Sonntag nach Ostern). In den letzten Jahren besuchen immer mehr Wallfahrer mit ihrer Familien den Ort, besonders an den Wochenenden, wodurch die Wallfahrtssaison verlängert wird.
Die Entwicklung in der Tourismusbranche ist besonders an der Anzahl der Gaststätten (rund 30) sichtbar, von denen die meisten ein sehr breites Angebot von Spezialitäten, der einheimischen und internationalen Küche,anbieten.
Mit der Entwicklung der Wallfahrten entwickelte sich auch der Handel. Die grosse Anzahl von Wallfahrer haben viele Souvenirhändler nach Marija Bistrica gelockt, die ihre Waren zum Verkauf anbieten. Kerzen, Lampen, Lebkuchenherzen, Töpferei und Spielzeuge aus Holz haben ein Spiel von Farben und Gestalten und ein vielfältiges Angebot geschafft, das für alle Generationen interessant ist. Zur körperlichen Erbaung und Erfrischung findet der Wallfahrer Lebkuchen, Honigwasser und Met (gvirz).
Mit der plötzlichen Entwicklung der Industrie und der Verbreitung von Plastikprodukten, wurden die Verkaufsstände zum Ort des schlechten Geschmacks.
Jahrhundertelange Tradition dieser Gegend ist an Produkte von Honig, Ton und Holz gebunden.Durch die Beharrlichkeit der Meister, die Spielzeuge auch weiterhin in der traditionellen Weise herzustellen, haben die alten Gewerbe wieder einen wichtigen Platz in der Wirtschaft Marija Bistricas eingenommen.
Heute ist in Marija Bistrica die Anzahl alter Gewerbe, der ganzen Gespanschaft Krapinsko-Zagorska, registriert: ein Schmied, einige Honigkuchler, Töpfer, und Hersteller von Holzwaren.
Das Lebkuchenherz (Lizitar) war schon immer ein Symbol der Liebe und Achtung, und insbesondere war es ein Ausdruck der Liebe zwischen einem Jungen und einem Mädchen. Heute, als ein Geschenk, symbolisiert das Lebkuchenherz eine unsichtbare Brücke und eine besondere Verbindung zwischen den Menschen und es ist als ein authentisch- kroatisches Souvenir anerkannt und sehr geschätzt. Met ist ein Getränk aus Honig und der Alkoholgehalt beträgt etwa 2-3 %. Durch ein weiteres Verfahren bekommt man den sogenannten «Gwirz», einen Honigwein mit dem Alkoholgehalt von 10-12 %. Honigwein und Met werden mit Eis serviert und wirken sehr erfrischend.
Produkte aus gebackenen Ton werden heute auch im Haushalt benutzt, und die Speisen, die man darin zubereitet haben einen besonderen, natürlichen Geschmack. Die einheimischen, hausgemachten Zagorje-Speisen enstehen in Töpfen verschiedener Gestalt; in den sogenannten «štruce», «puranjke», «sirenjke», «tronog». Hausgemachter Wein, Apfelwein, Essig und Milch werden in verschieden Töpfen, Milchtöpfen, Bechern und Näpfen gelagertt.
Hölzerne Kinderspielzeuge locken die Kinder durch ihr buntes, prachtvolles Aussehen immer mehr an. Das Angebot reicht von kleinen Schränken Betten, Kinderwiegen, Tischleinen mit Stülchen, Schubkarren bis zu zahlreichen Musikinstrumenten wie Tamburizza und Gitarre.



Neben den Meistern der alten Gewerben gibt es viele Hersteller sakraler Gegenstände aus Holz, Gips oder Metall.
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